Monatsarchiv für Juni 2010

„To“ – das Lieblingskürzel der Portugiesen

23. Juni 2010

Portugiesen – wie die meisten südländischen Völker – haben es gern anonym. Das fängt bei den – meist nicht vorhandenen – Straßenbezeichnungen an und hört bei ihnen zu Hause auf. Da gibt es nämlich keine Namensschilder an der Klingel und innen noch nicht einmal mehr Buchstaben an der Tür. Kurz gesagt – man findet sie nicht. Und wenn man sie anruft – selbst auf Festnetz – ist es oft nicht klar, ob die Stimme, die sich vorsichtig mit „To“ meldet, wirklich zu der Person gehört, die man zu sprechen beabsichtigte. Und wenn man einen Portugiesen nach seiner Adresse fragt und man gehört nicht zum engsten Familien- oder Freundeskreis, antwortet er mit einer ausladenden Geste in nördliche oder westliche Richtung, die so viel heißt wie „da drüben irgendwo“.

Mit Portugiesen trifft man sich am besten erstmal im Café, bzw. ist es das, was er ohnehin immer zurerst macht. Da hat man eigentlich keine Wahl. Das Café ist sozusagen sein Verhandlungsraum  – sei es nun, um ein Geschäft in die Wege zu leiten oder eine Liaison. Dann wird Essen gegangen. Portugiesen gehen für ihr Leben gern essen. Mittags und Abends in ein Restaurant, morgens für einen schnellen Cafezinho mit Croissants ins Café, Nachmittags für einen Kaffee und einen Bacalhao-Happen in die Bar, Frühabends auf einen schnellen Wursthappen in den Modelo – das ist einer der vielen Riesensupermärkte, die sie genauso aufrichtig lieben.

Aber ich wollte ja von der Nicht-Auffindbarkeit der Portugiesen sprechen. Also: am Telefon melden sie sich fast grundsätzlich mit „To.“ Das ist eine Algarvio-Abkürzung, bzw. Vokalaussparung – darüber können Sie in einem meiner früheren Artikel genaueres lesen – von „estou“, das heißt, ich bin (hier), was allerdings eine genauso schwache Lokal-Aussagekraft hat. Fragt man daraufhin nach dem Namen, ist es nicht sicher, dass man ihn genannt bekommt – erst wenn man bis ins kleinste Detail erzählt hat, wer man selber ist, warum man anruft, wie man überhaupt auf die Idee kommt, die Person am anderen Ende der Leitung sprechen zu wollen und was sie für einen Vorteil davon haben könnte, sich auf das Gespräch einzulassen – bekommt man eventuell eine dahingehende Antwort, oder auch nicht.

Meine Kollegin Elke wohnt in einem schönen, granitsteinernem Hochhaus mit Blick auf die Bucht von Lagos – und ich besuche sie gern. Allerdings habe ich mir bis heute nicht merken können, welches genau ihre Klingel ist. Es gibt da einige zur Auswahl: 1a, 1b, 1c, 1d, 2a, 2b, 2c, 2d, 3a, 3b, 3c, 3d, 4a, 4b, 4c, 4d.

Meistens löse ich das Problem so, dass ich mich mit meinem Oberkörper gegen das gesamte Klingel-Board lehne und dann, nachdem mir irgendwer Einlass gewährt hat, nochmal an jeder Wohnungstür extra klingele – bis mir endlich hinter 1a, 1b, 1c, 1d, 2a, 2b, 2c, 2d, 3a, 3b, 3c, 3d, 4a, 4b, 4c oder 4d – Moppel entgegenspringt – meiner Kollegin Köter, mein Lieblingshund.

Algarve – Meerblick, Möwen und beliebte Butterbrote

20. Juni 2010

Liebe Algarve-Urlauber – sollten Sie sich entschließen Ihren Sommerurlaub in dem Algarve Ferienhaus „The Blue View „ hoch über dem Meer in Salema zu verbringen, bekommen Sie sicher öfter mal Besuch von einer Möwe. Bitten Sie sie herein und zeigen Sie ihr an Ihrem Laptop diesen Artikel (das Ferienhaus hat in allen Räumen Internetzutritt). Möwen wissen oft nicht, dass wir Menschen ein näheres Interesse an ihnen haben – dies wird sich dann endlich rumsprechen und sie werden uns in Zukunft vielleicht freudiger begrüßen, wenn sie mit uns zusammen einen Tag am Strand verleben.

The View Factory - Luxusferienvilla in Salema
The View Factory – Luxusferien-Villa in Salema

Alles über Möwen

Möwen schreiten. Sie tasten sich erst mit den Zehen vor und treten dann ganz auf. So ruckeln sie weiter, Schritt für Schritt. Das sieht irgendwie erhaben aus, auch elegant, obwohl sie von ihrer Statur her ehr knubbelig sind. Kommen sie näher ran, erkennt man ihren frustrierten Blick. Da können sie nichts zu, selbst wenn sie gute Laune haben, wirken sie unzufrieden. Das macht die Schnabelform, bzw. die des Oberschnabels, der am Ende eine Krümmung hat.

Möwen haben drei Zehen vorne, die durch Schwimmhäute miteinander verbunden sind und einen sehr kurzen, kräftigen Zeh hinten – der fehlt aber bei manchen Arten, sodass er fürs Gleichgewicht nicht allzu wichtig zu sein scheint.

Möwen werden bis zu 30 Jahre alt. Sie haben also die Möglichkeit ein und die selbe Möwe mit 18 und mit 48 Jahren zu treffen – schade also, dass wir nicht dieselbe Sprache sprechen. Möwen sprechen allerdings weniger, sondern schreien ehr. Sie stoßen sehr grelle, sehr kräftige, sehr unfreundlich klingende, langgezogene Rufe aus – und das am liebsten noch in Reihe, da sie sehr gesellig sind und meistens zu mehreren um die Häuser ziehen. Manchmal sitzen wir in unserem Büro für Algarve Ferienhaus Vermietung und ihr Krakeel echot zwischen den Betonwänden der Häuser, und wir würden am liebsten ebenfalls schreien, um Ruhe – aber es nützt ja nichts, deswegen hoffe ich, dass diesen Artikel nun eine Möwe liest.

Möwen sind Allesfresser, lieber als Aas ist ihnen allerdings frischer Fisch, weggeworfene Butterbrote und kleine Nagetiere. Wenn sie das alles nicht selbst erbeuten müssen, um so besser – oft jagen sie deshalb einfach anderen Vögeln ihr Mittagessen ab. Ihren Durst stillen Möwen mit Meerwasser, sie schießen dann plötzlich runter auf die glitzernde Wasseroberfläche und nehmen einen kräftigen Schluck, dessen Salz durch links und rechts am Schnabel angebrachte Drüsen wieder ausgeschieden wird.

Die Männchen sind etwas größer als die Weibchen, unterscheiden sich von ihnen aber ansonsten nicht. Möwen haben lange, schmale Flügel, die die Voraussetzung sind für ihr stundenlanges Segeln vor azurblauer Kulisse – und wer dieses Prinzip gerne näher untersuchen möchte, kann sich hier eine eigene Möwe basteln.

Kleine Muskeln und Rotwein – Leckerbissen der Algarve

14. Juni 2010

Nun hat es ja letzte Tage wieder etwas geregnet, also sind noch ein paar Schnecken da – also gehen die Algarvios wieder auf Leckerbissensuche. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie um diese Jahreszeit in Ihrem Algarveurlaub noch überall dick eingemummelten Einheimischen mit Eimerchen und Stöcken in der Hand begegnen. In die Eimer kommen die Schnecken, mit den Stöcken werden sie von den Disteln abgeschlagen und die doppelte Kleidung ist Schutz.

Die Schnecken sitzen überall. Von Mauern, Zystrosensträuchern, Baumstämmen, Agaven, verrosteten Autowracks, die gelegentlich in der Landschaft liegen, und eigentlich jedem beliebigen anderen sonnigen Plätzchen kann man sie abflücken. Das Sammeln ist zwar etwas mühselig – die heiße Sonne brennt einem in den Nacken, man geht gekrümmt, man treibt sich Kakteenstacheln in die Finger und wird von dolchspitzen Yuccapalmzweigen in den Hintern gepiekt, aber dafür hat man recht schnell ein oder zwei Eimer zusammen, weil Schnecken so gern alle auf einem Haufen hocken. Dann eilt man nach Hause. Schnecken haben ja zu Unrecht den Ruf furchtbar langsam zu sein – das sind sie nur im Vergleich mit uns – aus dem Eimer schleimen sie sich immer sehr schnell wieder raus.

Nun wäscht man sie erstmal in Salzwasser so lange bis sie aber auch wirklich kein Fitzelchen Schaum mehr absondern und dünstet sie dann in Olivenöl. Etwas Wasser dazu und gehackte Knoblauchzehen und einen Zweig Thymian oder Rosmarin und Salz und Pfeffer. 10 Minuten. Dann mit der Schaumkelle herausnehmen und servieren.

Bei meinen früheren Nachbarn in Raposeira sah das dann so aus, dass sie die fertigen Schnecken einfach in der Mitte ihres Küchentischs zu einer kleinen Pyramide aufhäufelten. Dann bekam jeder eine Haarnadel und der Herr des Hauses eine Henkeltasse Wein, und es ging los: Schnecke aus dem Haus puhlen, kleinen schwarzen Darm abtrennen, essen. Wobei essen ja so eine Sache ist. Erst mal genug im Mund haben. Also sammelt man in der Backentasche, bis man das Gefühl hat, nun auch wirklich einen anständigen Bissen zu haben, kaut darauf herum, schluckt dann sehr schnell und nimmt – ohne erst zu fragen – aus der Hausherrentasse einen großen Schluck.

So geht es nämlich nicht.

Schnecken sind Happen – Häppchen. An denen sättigt man sich nicht, sondern speist sie, Muskelchen für Muskelchen nebenbei, während man sich unterhält, und eventuell Brot in die Sauce tunkt und auch mal woanders hinguckt.

Dann können sie schmecken.